Ärmelkanal 2003




Sonntag, 17. August



Salcombe 0830: Ablegen in Dartmouth – mit der Fähre im Nacken. Der geplante Schlag nach Salcombe ist schnell runtergesegelt, so dass vor dem Einlaufen noch ein kleines Manövertraining eingeschoben werden kann. Doch um eine sichere Mooring zu ergattern entschließen wir uns dazu, schon am frühen Nachmittag den Hafenmeister zu kontaktieren. Eine weise Entscheidung, wie sich zeigen wird, denn für Yachten unserer Größe sind die Bojen rar, und Stegplätze gibt es in Salcombe überhaupt nicht.

Doch zwischen uns und der Mooring liegt noch die etwas heikle Ansteuerung; zwei Paar Richtbaken lotsen uns dann aber sicher zu unserer Tonne, an der allerdings bereits ein Dreierpäckchen liegt. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht, mit Starkwind ist nicht zu rechnen, und auch der Hafenmeister hat keine Bedenken, also machen wir an einer First von knapp unserem Kaliber fest, die dank ihrer festlichen bis protzigen Beflaggung unschwer als Teilnehmerin des gerade beendeten Fastnet Race zu erkennen ist.



Andreas im Dinghi Um vom Liegeplatz zum Ufer zu gelangen, stehen dem geneigten Yachtie in Salcombe zwar Wassertaxen, die über VHF angefordert werden können, zur Verfügung. Aber selbstverständlich lassen wir es uns nicht nehmen, mit unseren Rudern allen motorisierten Verkehrsteilnehmern zu zeigen, wo der Hammer hängt – angesichts der zeitweilig sehr starken Strömung gar nicht so einfach …



Erik auf dem Müllponton Zentral erreichbar, in der Mitte des Mooringfeldes: Der Müllponton. Hier sogar mit freundlichem Personal, das gegen Überlassung einer Dose deutschen Biers gern die fachgerechte Entsorgung der Abfälle übernimmt.



Panorama Salcombe Eine unschlagbare Aussicht, dazu Mathias’ köstliches vegetarisches Thai-Curry – und dann der Lacher des Abends: Die Richtlinie, nach der wir den zweiten Teil der Einfahrt gesteuert haben, entpuppt sich mit Einbruch der Dämmerung als völlig daneben: Friedlich blinken zwei tagsüber praktisch unsichtbare Mini-Baken vor sich hin – etwa hundert Meter entfernt von den Masten, die wir gepeilt hatten …



Montag, 18. August

Ausguck Wir kehren England das Heck zu – mit mindestens einem weinenden Auge. Doch die drohende Schiffsübergabe gebietet die zeitige Rückkehr zum Festland, und unterwegs möchten wir noch auf den Kanalinseln Station machen. Falmouth, Land’s End – wir kommen nochmal wieder!

Nachdem Sandra und Gerald zunächst die Wassertemperatur des Kanals getestet haben, gehört der Vormittag dem Klar-Schiff-Machen für die Kanalquerung. Gegen 1100 wird die Mooringleine losgeworfen, um noch kurz zum Wasser bunkern am Servicesteg anzulegen. »Noch kurz« – so hatten wir es uns vorgestellt, doch dank Hochbetrieb muss Gerald zunächst eine halbe Stunde Kringel im engen und wohlbevölkerten Fahrwasser drehen, ehe wir anlegen können. Dafür werden dann auch die Decks einer Luxus-Süßwasserbehandlung unterzogen und alle drei Wassertanks sorgsamst gefüllt. Das Dieselbunkern sparen wir uns, da seit Cowes erfreulich geringe Mengen fossiler Brennstoffe durch die Maschine gelaufen sind – jedenfalls im Vergleich zur Bilanz der ersten Tage.

Kurz nach Mittag werden die Leinen endgültig losgeworfen; die Ausfahrt erfolgt jetzt auf der richtigen Richtlinie ebenso unproblematisch wie gestern auf der falschen, und kurze Zeit später nehmen wir mit halbem Wind und 3–4 Bft. Kurs auf Jersey.

Während Sandra und Gerald den Ausguck sehr ernst nehmen, …



Anna schläft … macht sich die Chefin fit für die anstehende Nachtfahrt.



Scones Gerald verschwindet unter Deck, und eine Dreiviertelstunde später werden frisch gebackene Scones mit Schlagsahne und Marmelade den Niedergang hinaufgereicht – einfach nur genial.



Erik Auch Vizechef Erik ist begeistert – ob von der Verpflegung, dem perfekten Segelwind oder schlicht der tollen Crew, entzieht sich leider meiner Kenntnis.

Vielleicht ist es ja auch nur ein Winke-Winke in Richtung England …



Tanker Auch bei dieser Kanalquerung wird es nicht gelingen, uns dichter an die zahlreichen Tanker und Containerfrachter anzunähern – obwohl wir aus dem Verhalten manch diensthabenden Steuermanns schließen, dass er diese Vorstellung im Gegensatz zu uns offenbar durchaus nicht unattraktiv findet …



Containerfrachter Andererseits wären wohl ohne den obligatorischen Tanz mit der Großschifffahrt der Langeweile Tür und Tor geöffnet. Und hübsch anzusehen sind sie schließlich auch, die Großen.




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