Rund Dänemark 2005




Frachter im Gegenlicht Die restliche Überfahrt gestaltet sich wenig spannend: Piefie verlässt uns, sobald wir in Landnähe sind, der Wind kann sich noch immer nicht zu segelwürdigen Stärken hinreißen lassen und die Verkehrsdichte im nördlichen Øresund ist moderat.

Gegen Abend machen wir in Helsingborg am Stadtkai längsseits fest; mit seiner Urbanität bietet der Liegeplatz einen schönen Kontrast zu den letzten Stationen. Abendprogramm: Duschen, Wäsche waschen, einkaufen. Und kochen: Es gibt Lammbraten aus dem Ofen (mit Olivenöl, Kräutern und reichlich Knoblauch), dazu selbstgemachte Nudeln.



Kopenhagen

Neue Oper Kopenhagen Der Trip nach Kopenhagen gestaltet sich zunächst sehr angenehm; zwar kommt der Wind mal wieder genau von vorn (S 3–4), doch ohne Welle kann die Hexe endlich einmal zeigen, was sie an der Kreuz kann: Mit Millimeterkorrekturen am großen Steuerrad lässt sie sich fabelhaft präzise am Wind segeln. Ergebnis ist ein Wendewinkel von 80° über Grund und eine VMG im Fünferbereich. Dennoch brechen wir das nette Spielchen mit den weißen Tüchern einige Meilen vor Kopenhagen ab, denn wir wollen Christianshavn noch bei Tageslicht erreichen. Schade.

Zur Entschädigung gibt’s wenigstens eine traumhafte Stadtdurchfahrt bei tiefstehender Sonne, vorbei an der Kleinen Meerjungfrau und der Neuen Oper, gebaut nach Plänen des Architekten Henning Larsen.



Christianshavn Christianshavn ist zauberhaft: Mehr holländische Gracht als Hafen, liegt man mitten in der Stadt, aber dennoch ruhig. Die Hafenanlagen sind zwar mager bis nicht vorhanden (unsere Landstrom-Adapterkonstruktion hätte jeden VDE-Ingenieur den Seitenschneider zücken lassen) und die Dalben stehen eng (immerhin haben wir den letzten Platz erwischt, der überhaupt in Frage kam), aber die Hafenmeisterin wiegt es mit Freundlichkeit und geringen Liegegebühren auf, und die romantische Atmosphäre tut ihr übriges.

Den angepeilten kompletten Hafentag in Kopenhagen können wir uns zwar leider nicht mehr leisten, doch für eine gemütliche Abendexkursion und einen Shoppingbummel am Montag Vormittag ist Zeit genug.

Am frühen Nachmittag sind wir wieder im Sund.
Ziel: Klintholm.

Heimwärts: Klintholm – Hesnæs – Burgtiefe

Leuchtturm Drogden Wie gewohnt kommt der Wind von vorne. Doch beunruhigender sind die mindestens 100 Liter Wasser, die wir etwa auf Höhe des Leuchtturms Drogden in der Bilge entdecken – beim Auslaufen war die Bilge noch trocken.

Doch nach Aufstellung verschiedener Theorien, gefolgt von experimentellen Studien, steht fest: Der Seewasserkreislauf des Motors drückt Wasser in den Primärkreislauf, das sich dann den Weg über das Überdruckventil in die Motorbilge und schließlich in die Hauptbilge sucht. Unerfreulich. Doch ein Anruf bei Jan Hegerfeld, dem Vercharterer, bringt wieder Ruhe ins Schiff: Der Motor ist schließlich nach wie vor gekühlt (wenn auch mit Salzwasser), und ein paar Tage mehr oder weniger werden am Zustand des Motors auch nicht viel ändern. Also doch kein Boxenstop in Dragør, sondern nur ein umgesteckter Schlauch, der austretendes Wasser direkt in die Hauptbilge leitet, so dass bei zukünftigen Motoreinsätzen wenigstens die Motorbilge trocken bleiben wird.



Hesnæs Hafen Ankunft in Klintholm um 0315. Der Wind hat sich größte Mühe gegeben, stets mit dem Kurs zu drehen – das Murphysche Windgesetz zeigt volle Wirkung. Trotzdem ein toller Schlag bei angenehmen Bedingungen (S–SW 4–5).

Nach kurzer Nacht am frühen Nachmittag Start Richtung Hesnæs. Nur ein kurzer Schlag, dafür endlich mal wieder ein Anlieger. Bei 5–6 Beaufort ergeben sich durchwegs Geschwindigkeiten im hohen Achterbereich; das Lattengroß ist einfach oder doppelt gerefft, die ungereffte kleine Genua III sorgt für angenehme Balance. Die Welle von 1,5 m ist hoch genug, um das Steuern interessant zu machen, aber moderat genug, um nicht lästig zu werden. Längsseits fest im Hafen von Hesnæs gegen 1800.

Der letzte Schlag gestaltet sich leider weniger erfreulich: Zu Beginn unter gleichen Bedingungen wie die Fahrt nach Hesnæs, frischt der Wind östlich von Gedser merklich auf. In Böen legt sich die Hexe trotz tiefgerefftem Groß und deutlich reduzierter Genua extrem auf die Backe. Und der Wind kommt natürlich wieder aus vertrauter Richtung: Genau von vorn (SW 6–7). Von Wendewinkeln unter 90° können wir nur noch träumen, erreichbar sind kaum weniger als 120°; heftige Schauerböen lassen uns bei weggerollter Genua bestenfalls die erkämpfte Höhe halten.

Zu Gunsten einer zivilen Ankunftszeit fällt erneut die Entscheidung, die letzten Meilen unter Motor zurückzulegen. Zunächst lässt sich so zwar mit 4–5 kn FdW kaum ein Gewinn gegenüber der VMG beim Kreuzen erreichen, doch in Abdeckung von Fehmarn wird der Seegang deutlich moderater und es geht flotter voran. Kurz nach 22 Uhr liegen wir in der »heimatlichen« Box in Burgtiefe.




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