Sporthochseeschifferschein (SHS)




Informationen durchgesehen und aktualisiert im März 2017 – ohne Gewähr!


Sporthochseeschifferschein Im Frühsommer 2005 war das Thema SSS für die Mitglieder meines privaten Lerngrüppchens erfolgreich abgeschlossen. Trotzdem waren wir nicht bereit, auf unsere bewährten sonntäglichen Zusammenkünfte zu verzichten. Die Konsequenz: Auch der letzte Schein sollte noch in Angriff genommen werden!

Also ging es nach zwei gelungenen Törns (1.300 NM) im Herbst wieder ans gemeinsame Lernen. Nach einer anfänglichen Trödelphase, dann aber zähem Ringen mit Ortsstundenwinkel, Deklination und Corioliskraft, fanden wir uns schließlich am Wochenende des vierten Advents 2005 in den Räumen des Landessportbundes Berlin ein, um uns den offiziellen Hochseesegen zu verdienen …


Die Sinnfrage

Die Frage nach dem Sinn des »Scheinesammelns« ist sicherlich berechtigt. Ich plane derzeit weder eine Weltumsegelung noch eine Ozeanüberquerung. »Brauche« ich also den Hochseeschifferschein? Werde ich durch den SHS ein »besserer« Segler? Wohl kaum.

Warum also all die Kosten und Mühen?
Diese Frage lässt sich leicht beantworten: Weil es mir Spaß gemacht hat, und weil mich auch die theoretischen Aspekte der Seefahrt interessieren.

Schon lange hatte ich vor, mich mit Astronavigation zu beschäftigen. Nicht, weil ich sie als Redundanz zur terrestrischen und GPS-Navigation in der Praxis zu brauchen glaubte, sondern einfach aus Neugierde und Begeisterung für die traditionelle Methode. Die Prüfung war also ein willkommener »Tritt in den Hintern«, um mich ausführlicher mit der Materie vertraut zu machen, als ich es sonst getan hätte (tatsächlich hatte ich mich trotz guten Vorsatzes jahrelang überhaupt nicht damit befasst).

Natürlich sind nicht alle Bereiche des Prüfungsstoffs gleichermaßen interessant. Wer es zum Beispiel für unabdingbar hält, dass man als Segler jederzeit die Voraussetzungen für eine Drogenkontrolle auf hoher See nach dem Wiener Suchtstoffabkommen oder die Teilströme des großen nordpazifischen Stromrings herunterbeten kann, den kann man eigentlich nur bedauern. Doch der rechtskundliche Teil war in puncto Lernaufwand gerade durch die zeitliche Nähe zur SSS-Prüfung sehr überschaubar, und ein meteorologischer Blick über den Tellerrand schadet sicherlich auch nicht …

»Wenn du die SHS-Lernzeit statt am Schreibtisch auf einem Schiff verbracht hättest, wäre für das seglerische Leben sicher mehr dabei herausgekommen!« Wer so argumentiert, liegt vielleicht nicht ganz falsch, verkennt aber die Lage: Segeln ist im Winter in den von mir geliebten Revieren schwierig bis unmöglich; die genannte Alternative gibt es also nicht. Warum also nicht die kalte Jahreszeit für etwas theoretische Fortbildung nutzen? Sie mag in der Praxis nicht viel »bringen« – schaden wird sie aber mit Sicherheit auch nicht, solange man die eigenen seglerischen Fähigkeiten nicht auf Grund des erworbenen Papiers überschätzt.

Die deutschen Wassersportführerscheine weisen nun mal in erster Linie Theoriekenntnisse nach – wer sich seine Fähigkeiten als Skipper bescheinigen lassen möchte, sollte seine Mitsegler nach ihrer ehrlichen Meinung fragen oder den britischen Yachtmaster machen.

»Any young fellow with ordinary gray matter, ordinary education, and with the slightest trace of the student-mind, can get the books, and charts, and instruments and teach himself navigation. Now I must not be misunderstood. Seamanship is an entirely different matter. It is not learned in a day, nor in many days; it requires years.«

(Jack London, The Cruise of the Snark, 1913)


Der Schein

Der Sporthochseeschifferschein ist (wie auch der Sportseeschifferschein) ein amtlicher, aber freiwilliger Befähigungsnachweis – lediglich auf gewerblich genutzten Sportbooten und auf Traditionsschiffen ist er für weltweite Fahrt außerhalb der Randmeere (Nord- und Ostsee, Mittelmeer) vorgeschrieben.

Der SHS gilt weltweit auf allen Seegewässern.

Auch der SHS kann entweder für Fahrzeuge mit Segel- und Maschinenantrieb oder für Fahrzeuge ausschließlich mit Maschinenantrieb ausgestellt werden. Die Ausstellung erfolgt für die Antriebsart, für die auch der SSS erworben wurde; die SHS-Prüfung ist für Motorbootfahrer und Segler identisch.

Der Zusatzeintrag für Traditionsschiffer und Maschinisten unterscheidet sich nicht vom entsprechenden Eintrag im SSS – ist der Eintrag bereits vorhanden, wird er auch in den SHS übernommen.


Voraussetzungen


Die Prüfung

Die Sporthochseeschifferprüfung ist eine reine Theorieprüfung. Sie besteht aus schriftlichen Klausuren (ggf. mit mündlicher Nachprüfung) in den Fächern Navigation, Schifffahrtsrecht und Wetterkunde sowie einer obligatorischen mündlichen Prüfung »Handhabung von Yachten«. Der Prüfungsteil Navigation beinhaltet eine kurze praktische Prüfung zur Handhabung des Sextanten.

Wie beim SSS handelt es sich um Einzelprüfungen, die nach Belieben auch auf mehrere Termine verteilt werden können. Alle vier Teilprüfungen müssen innerhalb eines Zeitraums von 24 Monaten bestanden werden. Nicht bestandene Teilprüfungen können beliebig häufig, frühestens aber nach zwei Monaten wiederholt werden.

Zum Bestehen der Fächer Navigation, Schifffahrtsrecht und Wetterkunde müssen in der schriftlichen Prüfung jeweils 65% der Punkte erreicht werden; bei 55–64% wird mündlich nachgeprüft.


Anmeldung und Gebühren

Anmeldeformalitäten und Prüfungsgebühren entsprechen dem Sportseeschifferschein (Gebühren für die Praxisprüfung fallen natürlich nicht an).


Ablauf

Der Ablauf der SHS-Prüfung ähnelt dem der SSS-Prüfung; beide finden üblicherweise parallel statt.

Zeitplan für Samstag:

Am Sonntag ab 09:00 Uhr Bekanntgabe der Ergebnisse vom Vortag und gegebenenfalls mündliche Nachprüfungen in Navigation, Schifffahrtsrecht und Wetterkunde.


Prüfungsfach Navigation

Schwerpunkte:

Mitbringen:


Prüfungsfach Schifffahrtsrecht

Schwerpunkte:

Mitbringen: Radar-Plotsheet.


Prüfungsfach Wetterkunde

Schwerpunkte:


Prüfungsfach Handhabung von Yachten (mündlich)

Dieser Pflichtteil wird seit Anfang 2006 geprüft. Da ich die Prüfung Ende 2005 abgelegt habe, fehlen mir persönliche Erfahrungen.

Nähere Informationen gibt’s beim DSV.


Aufgaben

Hier meine Prüfungsaufgaben (17. 12. 2005, Berlin) als PDF-Dokumente.

Da die Aufgabenbögen nicht mitgenommen werden dürfen, habe ich die Aufgaben aus dem Gedächtnis rekonstruiert bzw. während der Prüfung stichwortartig notiert. Der Wortlaut kann von den Originalaufgaben abweichen. Karten- und Astroaufgabe sind nicht im Detail enthalten.


Bücher und Materialien

Zusätzlich zu den bereits beim SSS genannten Büchern:

Wer seine SSS-Navigationsprüfung vor 2006 abgelegt hat, braucht für die SHS-Prüfung eine neue Übungsseekarte und ein neues Begleitheft:

Die bis Ende 2005 in den SSS- und SHS-Prüfungen verwendeten Karten und Begleithefte von 1997 können nicht mehr verwendet werden!


Links

Zusätzlich zu den bereits beim SSS aufgeführten Links:




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